Trageberatung: Die Prüfung.

Ich hatte ja bereits im Beitrag zum Ausbildungswochenende erwähnt, dass auf die zukünftigen TrageberaterInnen der Trageschule Hamburg nach den Praxistagen noch eine Prüfung zukommt, bevor man sich offiziell als „(geprüfte) TrageberaterIn der Trageschule Hamburg“ bezeichnen darf und neben dem Zertifikat auch einen Eintrag in der Liste der Berater bekommt.

Vorab: Jeder, der das Ausbildungswochenende absolviert hat ist grundsätzlich in der Lage, Eltern zu beraten. Wir dürfen auch vorher schon Beratungen anbieten. Es geht mit der Prüfung und der daraus resultierenden Bezeichnung eher um einen Qualitätsstandard, der von der TSHH ausgeht und somit vorher begutachtet wird.

Es handelt sich um eine Videoprüfung. Das heißt, alle gelernten Bindeweisen müssen vor der Kamera korrekt ausgeführt und erklärt werden. Das gleiche gilt für die korrekte Anlegeweise von Mei Tai/Half Buckle und Full Buckle Tragehilfen. Zusätzlich gibt es einen Fragebogen, dessen Fragen außerdem in jedem Video beantwortet werden sollen. Die Krönung ist ein Theorievideo, bei dem sämtliche Wissensfragen zum Babytragen beantwortet werden. Videoschnitt ist nicht erlaubt.

So fuhr ich also  Ende Januar nach Hause. Den Kopf voller neuer Informationen und Ideen und mit dem Wissen, diese Prüfung ablegen zu müssen, zu dürfen. Und ich wollte es. Am besten schnellstmöglich.

Tja, und dann kommt die Realität: mal ganz abgesehen von den Zeitfenstern, die gefühlt mit einem Kleinkind nicht vorhanden sind, ist es eben nicht „mal schnell“ alles abgedreht. Was hab ich geflucht, geschwitzt, gestampft und von vorn angefangen. Im Schnitt kommen bei mir auf jedes fertige Prüfungsvideo locker um die 30 Fehlversuche. (Nochmal: Binde- bzw. Anlegeweise plus zusätzliche Fragen und alles ohne Schnitt)

Trageberatung Jena Weimar Apolda Erfurt

Mit der Stimme meiner Ausbilderin Yvonne im Ohr - „Wenn wir die Videos anschauen, wissen wir, was dahinter steckt. Jeder von uns musste da durch.“ – ging es immer weiter. Mal mehr und mal weniger motiviert. Aber am Ende hatte ich 7 vorzeigbare Videos zustande gebracht. So schrieb ich also eine Email an die Trageschule, dass ich prüfungsbereit sei und nach einigen Tagen war klar: Meine Prüferin ist Kim, meine zweite Ausbilderin. An sie gingen nun auch alle bewegten Bilder und ich wartete.

Nach drei Wochen dann die erste Meldung: „Fast geschafft!“, hieß es im Betreff. Ich hatte einige Kleinigkeiten übersehen, also nochmal. Zum Glück nicht alles, 4 von 7 waren bereits bestanden. Das oben erwähnte Spiel startete für die anderen drei allerdings trotzdem von vorn und so reichte ich wenige Wochen später meinen Zweitversuch ein.

Trageberatung Jena Weimar Erfurt Apolda

Es dauerte nicht lang und die Antwort kam: Ein winziges, aber entscheidendes Detail fehlte und ein Video bekam einen dritten Versuch. (Was ich vorhin nicht erwähnt habe: Es gibt nur drei Versuche.) Entsprechende nervös ging ich an den Dreh. Ich wollte, dass alles optimal ist – zumal Kim mir bereits mitteilte, dass Dreh und Wording des Videos an sich sehr sicher schien. Gefühlte 200 Versuche später und nachdem ich mir das Video einmal zu oft angeschaut und schon wieder Fehler gefunden habe, die gar nicht da waren, schickte ich es ab.

Und in der nächsten Email standen dann tatsächlich die erlösenden Worte: „Ich möchte dir ganz feierlich mitteilen, dass du geprüfte Trageberaterin der Trageschule Hamburg bist!“

Juhu!!!

Trageberatung Jena Weimar Erfurt Apolda Tina Blossey

Trageberatung: Das Ausbildungswochenende.

Über die Entscheidung, die Ausbildung zur Trageberaterin zu absolvieren, habe ich schon eine Weile nachgedacht. Nachdem ich dann im Dezember festgestellt habe, dass für den Grundkurs der Trageschule Hamburg im Januar in Hamburg noch Plätze frei sind, wurde nicht mehr lang überlegt: Eine kurze Rücksprache mit dem Ehefreund später (der Babytüp wollte ja bespaßt sein), hatte ich die Anmeldung auch schon abgeschickt.
Wenige Wochen später hatte ich das Ausbildungsskript in der Post - ich habe nicht schlecht geschaut, als mir klar wurde, wie viel ich nach über einem Jahr Babytragen noch nicht darüber weiß. Und am letzten Januarwochenende war es dann soweit: Gemeinsam mit zehn weiteren, sehr sympathischen Frauen und zwei wunderbaren Ausbilderinnen bewältigte ich zweieinhalb Tage binden, schnallen, auffächern, durchstraffen und festziehen.

Tina Blossey Trageberatung Jena Weimar Erfurt Thüringen

Neben den gängigen Bindeweisen vom elastischen und gewebten Tragetuch bekamen wir außerdem einen Einblick in die Welt der Tragehilfen - eine riesige Welt ist das. Wir haben viel geübt und sogar blind gebunden. Wir konnten uns durch sämtliche Tragetücher (und Tragehilfen) verschiedenster Hersteller testen, eigene Vorlieben entdecken und Vor- und Nachteile der einzelnen Systeme selbst herausfinden. 
Aber damit nicht genug: Während des Wochenendes haben wir die Theorie des Tragens inklusive kindlicher Anatomie, Bindungstheorie und Evolutionsbiologie beleuchtet. Es gab hilfreiche Tips für die bevorstehende Praxis. Und auch Beratungssituationen fanden ihren Platz. Am letzten Tag bereiteten wir die Prüfung vor (dazu später mehr) und wurden professionell abgelichtet.

 Der GK1 der Trageschule Hamburg vom Januar in Hamburg.

Der GK1 der Trageschule Hamburg vom Januar in Hamburg.

Am Sonntag Abend saß ich völlig erledigt, aber hochmotiviert im Auto. Ich hatte Kopf voller Ideen und war unendlich glücklich über meine Entscheidung. Die erste Beratung ließ dann auch nicht lang auf sich warten.

Und während ich die Eindrücke des Ausbildungswochenendes noch verarbeitet, mein Sortiment aufgestockt, einen Plan für die anstehende Prüfung erstellt und meine ersten Trageeltern unterstützt habe, begann mit dem Onlinekurs der Stoffwindelexperten schon der nächste spannende Abschnitt auf meiner Reise.

So war das bei uns...

Vor ungefähr einem Jahr habe ich selbst das erste Mal Kontakt zu einer Trageberaterin gehabt. Ich wollte wissen, ob ich meine Fräulein Hübsch richtig eingestellt habe und wie das mit der Manduca richtig funktioniert.

Julia von der Trageberatung TrageJulchen fragte, ob sie mal ein Tuch mitbringen soll. Um mir selbst zu beweisen, dass das nichts für mich ist - 4,60m Stoff um mich und ein Baby, das ich gerade einmal wenige Wochen kenne, wickeln? Niemals! - sagte ich zu. Ich wollte es wenigstens versucht haben.

Tja, was soll ich sagen: Die Fräulein Hübsch saß gut, die Manduca war mir anstrengend und beim ersten Versuch, das Baby in die Wickelkreuztrage zu nehmen, ist es einfach eingeschlafen. (Huch! Was für ein toller Zaubertrick.) Ich habe die 4,60m x0,80m dann eine Woche ausgeliehen, um zu schauen, ob wir auch im Alltag damit klar kommen.

Nun…der Trick mit dem Einschlafen hat jedes Mal funktioniert und nach nicht mal 48h hatte ich schon mein erstes eigenes Tuch bestellt.

 Foto:  Paul Träger

Danach hat es noch einmal zwei Wochen gedauert und der Ehefreund wollte „das auch“. Das Tragejulchen kam erneut, es zogen weitere Tücher ein und aus und bis zum 10. Monat bewegten wir unser Baby nur tragend durch die Welt.

Tragen ist praktisch, kuschelig und hat uns mehr als einmal das Leben gerettet, wenn gar nichts mehr funktioniert hat.

Mit diesen Erfahrungen kam ich nicht umhin, über die Ausbildung zur Trageberaterin nachzudenken und mich letztlich dafür zu entscheiden. Ich freue mich schon darauf, (zukünftige) Träger und Traglinge auf ihrem Weg zu begleiten.

 Mein Telefon sagt, es war der 27. Januar 2017. Gut anderthalb Monate nach der Geburt meines Babytüpen. Ich weiß nicht mehr, ob wir gerade vom Spazieren zurück kamen oder los wollten. Aber ich erinnere mich noch sehr gut an das stolze Gefühl, dass sich in mir breit gemacht hat, über 4m Tuch allein bewältigt zu haben. 

Mein Telefon sagt, es war der 27. Januar 2017. Gut anderthalb Monate nach der Geburt meines Babytüpen. Ich weiß nicht mehr, ob wir gerade vom Spazieren zurück kamen oder los wollten. Aber ich erinnere mich noch sehr gut an das stolze Gefühl, dass sich in mir breit gemacht hat, über 4m Tuch allein bewältigt zu haben.